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Die große Krankenhausstudie 2017

Lesedauer: 8-9 Minuten

Wörter: 1799

 

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Wir heißen dich herzlich willkommen zu unserem ersten Blog-Artikel! 

 

Wir sind nervös, aber auch höchst erfreut dir unseren Artikel vorzustellen. Es erwarten dich nun jeden Monat ein bis zwei neue Artikel rund um die Themen HR, Gesundheitswesen oder Non-Profit Unternehmen. 

 

Als Einstieg möchten wir gerne die Branche des Gesundheitswesen vorstellen, daher handelt unser erster Blog Artikel über die große Krankenhaus-Studie von Roland Berger (2017). Roland Berger ist eine der global führenden Unternehmensberatergesellschaften mit Sitz in München. 

 

Ziel von diesem Blog Artikel ist es die Ergebnisse der Studie zusammenzufassen. Da ich von Hause aus BWLer bin, habe ich an einigen Stellen etwas aus der betriebswirtschaftlichen Sicht ergänzt.  

 

Krankenhaus Umsätze 2017

Zu aller Erst – die große Mehrheit der deutschen Krankenhäuser konnte ihren Umsatz im letzten Jahr (in Vergleich zu 2016) steigern. Jedoch bedeutet ein höherer Umsatz nicht gleich eine bessere wirtschaftliche Lage. Roland Berger hat bei der Befragung der Krankenhäuser herausgefunden, dass 60% der befragten Krankenhäuser angegeben haben, dass sie in nächster Zeit weiterhin eine verschlechterte, wirtschaftliche Lage erwarten.

 

Auch die Investitionsfähigkeit der Krankenhäuser wird als kritisch angesehen. Deutsche Krankenhäuser wurden auch dahingehend befragt, wie sie ihre Möglichkeiten zur Investition bewerten. 60% der Befragten gaben an, dass nicht ausreichend investiert wird. Die Gründe dafür sind vielfältig:

 

·      Keine ausreichenden Fördermittel (90%)

·      Unzureichende Einnahmen aus dem laufenden Betrieb (53%)

·      Es gibt keine ausreichende Möglichkeit zur Refinanzierung (27%)

 

Frage an euch: Habt ihr die verschlechterte finanzielle Lage bei der Arbeit bemerkt? Gerne könnt ihr eure Erfahrungen in den Kommentaren diskutieren. Wir würden gerne eure Meinungen aus erster Hand dazu hören!

 

Trends 2017

Wie in jeder Branche gibt es jedes Jahr neue Trends – Die Studie von Roland Berger hat dazu fünf führende Trends herausgearbeitet. 

 

1.   Fachkräfte

2.   Innovation

3.   Kosten- und Effizienzdruck

4.   Zunehmende Digitalisierung

5.   Zunehmende Qualitätsorientierung und Qualitätswettbewerb

 

In den Medien ist das Thema „Fachkräftemangel“ allgegenwärtig. Besonders oft wird der Begriff mit der Pflege,- Gesundheit,- und Pädagogikbranche verbunden. Fachkräftemangel wird in deutschen Krankenhäusern als einer der stärksten Trends angesehen – jedoch negativ. Das bedeutet konkret, dass tatsächlich ein Fachkräftemangel existiert und sich im Jahr 2017 verschlechtert hat.  

 

Innovation und Investitionsbedarf ist auch ein ständiger Trend – dieser ist in der Befragung jedoch als neutral bis sogar eher als negativ gesehen. Das bedeutet, dass sich deutsche Krankenhäuser in diesem Trend nicht stark genug gerüstet fühlen.

 

Kosten spielen in jeder Lebenslage eine wichtige Rolle, sei es eine Privatperson oder ein Unternehmen. Keiner darf sich erlauben mehr auszugeben als er verdient. Wenn dir im Monat 900€ zur Verfügung stehen, aber deine Miete und Einkäufe 1000€ verschlingen, kannst du dir vorstellen, was passiert. Genauso geht Unternehmen.

Kosten und Effizienz müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen – nur so kann Mehrwert entstehen. Auch was diesen Trend angeht, gaben die Teilnehmer der Studie an, dass es sich hier um einen überwiegend negativen Trend handelt. 

 

Kommen wir nun aber zu den positiven Trends: Die Digitalisierung und die erhöhte Qualitätsorientierung. 

 

Digitalisierung spielt genau wie Geld immer eine tragende Rolle in unserem Alltag. Alles wird zunehmend digitaler und einfacher für uns Menschen. Dafür gibt es zig Beispiele:

 

·      Wer von euch nutzt noch ein Telefon mit Wählscheibe?

·      Wer von euch hat ein Röhrengerät statt einem Flachbildschirm Zuhause?

·      Nutzt ihr ein Navi statt einem 3 mal 3 Meter großen Faltplan?

 

Genau, wahrscheinlich keiner! Gut, man muss sagen, da es sich bei den drei Beispielen mittlerweile schon um alte Kamellen handelt, aber vor einigen Jahren waren das richtige Innovationen, die unser Leben vereinfacht haben. 

 

Digitalisierung bedeutet einfach gesagt, das analoge Dinge digital umgewandelt werden. 

 

Auch wir von PLUSpoint HR bieten digitale Lösungen für Krankenhäuser und Non-Profit Unternehmen an. Ich möchte euch an dieser Stelle ein ganz kleines Beispiel geben: Wie wurden Lohnbuchabrechnungen vor 10 Jahren erledigt und wie jetzt? Inzwischen gibt es statt Stift und Papier Tools, Apps und die Cloud. 

 

Kommen wir nun aber zur Studie und der Verknüpfung zur Digitalisierung zurück. Die Auswirkungen, die eine immer stärker zunehmende Digitalisierung mit sich bringt, werden von den Teilnehmern der Studie als positiv bewertet. Die Chancen, die durch die Digitalisierung in Krankenhäusern entstehen, besonders mit der Versorgung der Patienten, sind hoch und bekannt. 

 

Auch der Trend der Qualitätsorientierung in deutschen Krankenhäusern wird als positiv bewertet. In Sachen Qualität sehen sich die Studienteilnehmer als gut gerüstet an. 

 

Top 5 Wachstumsschwerpunkte

Wie in den Jahren zuvor sind die Fachabteilungen mit tendenziell älteren Patienten, diese, mit den stärksten Wachstumsschwerpunkten. Bevor du weiterliest: Rate mal welche das sind und lass uns in den Kommentaren wissen, ob du richtig lagst.

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1.   Neurologie (69%)

2.   Kardiologie (53%)

3.   Hämatologie (51%)

4.   Geriatrie (43%)

5.   Allgemein- und Viszeral Chirurgie (29%)

 

IT-Ausgaben im Umsatzanteil 

Jetzt bist du wieder an der Reihe: Rate wie viel Prozent vom Umsatz eines Krankenhauses in die IT investiert! Zur Auswahl stehen:

 

a)   unter 2%

b)   unter 3%

c)   unter 4%

d)   unter 5%

 

Natürlich kann man die Frage nicht pauschal beantworten, sondern ist abhängig von dem jeweiligen Krankenhaus. Das Management eines Krankenhauses investiert mehr, das andere weniger. Jedoch ist in der Roland Berger Studie die Antwortmöglichkeit a) richtig. Diese 2% sind das Ergebnis von 91% der befragten Studienteilnehmer. 

 

Es wird jedoch davon ausgegangen, dass sich die Ausgaben für die IT der Krankenhäuser in Zukunft steigern werden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein Hauptgrund ist auf jeden Fall der Bedarf an höherer IT-Sicherheit. Wie du bestimmt in den Medien mitbekommen hast, ist IT Sicherheit ein Hauptaugenmerkt auf das alle Unternehmen achten müssen. Besonders Krankenhäuser müssen in diesem Bereich massiv investieren. Zum einen um die Sicherheit und Bereitschaft von digitalen Geräten zu sichern und zum anderen gilt es sensible Daten zu schützen. Krankenhäuser arbeiten und sichern sensible Patientendaten, die es strikt zu respektieren und sicherzustellen gilt. In Zeiten von Hacker-Angriffen gilt es ein Auge drauf zu halten. 

 

Rund 2/3 der befragten Krankenhäuser gaben an, bereits Opfer eines Hackerangriffes geworden zu sein. Diese Zahl ist natürlich erschreckend! Die Zahl lässt sich jedoch in zwei verschiedene Arten bzw. Kategorien von Hackerangriffen aufteilen:

 

·      aktiver Angriff durch einen Hacker

·      unachtsame Nutzung des Internets

 

Der erste Fall ist natürlich das Schreckszenario für jeden. Aber auch der zweite Fall sollte nicht unterschätzt werden. Dazu gehört das unachtsame Surfen im Internet aber auch die Nutzung von USB-Sticks. Dadurch können Viren oder Trojaner von außen nach intern eingeschleust werden. 

 

Aber welche Gegenmaßnahmen können dagegen eingeleitet werden zum proaktiven Schutz?

 

Die meisten Befragten gaben an, ihre Firewall verstärkt zu haben und einen Notfall Plan erstellt zu haben. Aber auch die Schulung der Mitarbeiter gehört zu den meist genannten Gegenmaßnahmen. Darüber hinaus kann der Zugriff auf externe Inhalte für die Mitarbeiter begrenzt werden. 

 

Weit abgeschlagen in der Befragung der Gegenmaßnahmen liegt die Aufstockung des Personals der IT-Abteilung. Ob das eine Folge der wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser ist, wird in der Studie nicht genannt. 

 

Krankenhäuser und die Digitalisierung

 

Der größte Teil die befragten Krankenhäuser (89%) gaben an, eine Digitalisierungsstrategie entwickelt zu haben und zu verfolgen. 

 

Eine effektive Möglichkeit schnell an neue Technologien zu gelangen ist die Zusammenarbeit mit innovativen Start-ups. Start-ups können i.d.R. durch Spezialisierungen, kurze Entscheidungswege und (oftmals) durch Investoren effizient neue Lösungen für den Markt entwickeln. In der hier vorliegenden Studie gaben jedoch nur 24% der befragten Studienteilnehmer an, mit Start-ups zusammenzuarbeiten. Es wird häufiger auf eigen entwickelte Lösungen/Software zurückgegriffen. Auch bevorzugen Krankenhäuser Lösungen/Software von etablierten Herstellern. 

 

Dabei ist die Zusammenarbeit mit Start-ups eine echte Alternative!

 

Ergebnisverbesserung

Sich zu verbessern sollte das Ziel eines jeden Menschen sein. Das Gleiche gilt auch für Unternehmen, also auch für Krankenhäuser. Über 60% der Krankenhäuser befinden sich gerade in einer Phase der Ergebnisverbesserung im Vergleich zu den Jahren davor. 

 

Doch welchen Fokus legen die befragten Krankenhausmanager bei der Ergebnisverbesserung? Die nachfolgenden Punkte sind besonders auf die Steigerung der Erlöse und die Reduktion der Kosten bezogen. 

 

1.   Strategische Ausrichtung (Medizinportfolio, Auswahl des Standortes)

2.   Medizin (Auslastung des medizinischen Personals

3.   Medizinische Dienstleistungen (Labor, Kardiologie, etc.)

4.   Verwaltung

5.   Nicht-Medizinische Dienstleistungen (Reinigung, Kantine, Café, etc.)

 

Darüber hinaus gibt es aber auch klassische Bereiche zur Ergebnisoptimierung. Auf den aller ersten Platz stehen höhere Erlöse aus dem stationären Betrieb.

 

Trotz des am 01.01.2016 eingeführten Fixkostendegressionsabschlages (FDA) steht die Steigerung aus dem Tagesgeschäft im Hauptfokus. Durch FDA soll die Qualität in deutschen Krankenhäusern bei der Versorgung gesteigert werden. Aktuell steht das Controlling der Krankenhäuser jedoch vor dem Problem, dass die tatsächliche Auswirkung des FDA nicht wirklich eingeschätzt werden kann, zumindest ist es sehr schwer. 

 

Doch wie schaut es mit der Zufriedenheit mit der Ergebnisverbesserung aus? In der Studie von 2016 waren 50% der Befragten unzufrieden, 2017 gab es einen Anstieg in Höhe von 7% auf inzwischen 57%. Nur 8% der befragten Krankenhäuser gaben an, sehr zufrieden zu sein. 

 

Das zeigt, es gibt noch viel Verbesserungspotenzial bei der Ergebnisverbesserung. 

 

Das die Verbesserungen nicht nur an den finanziellen Mitteln scheitern, zeigt die Vielzahlt der Herausforderungen, was das Thema angeht. 

 

Zu den am häufigsten genannten Herausforderungen zählt wirklich die zugrunde liegende Komplexität und Umsetzung der eigentlich zu ergreifenden Maßnahmen. Eine wirklich langfristig erfolgreiche Ergebnisverbesserung ist in der Regel kompliziert, da viele Prozesse notwendig sind. Ohne gute strategische Planung ist es sehr schwer Veränderungen durchzuführen. Darüber hinaus können, wie die Roland Berger Studie zeigt, Widerstände von Mitarbeitern zu Problemen bei der Umsetzung führen. 

 

Mitarbeiter währen sich vor Veränderungen, oftmals ist die Angst vor dem Jobverlust der Anlass. Daher ist es von elementar wichtiger Bedeutung, dass Mitarbeiter von den Führungskräften unterhalten werden, was genau eine Prozessänderung bewirkt. 

 

Ein weiterer Grund für eine Komplexität bei der Ergebnisverbesserung sind häufige Geschäftsführerwechsel. Über die Hälfte der Krankenhäuser wechselte in den letzten drei Jahren einen Teil der Geschäftsführung aus. 

 

Das führt zu mehreren Problemen: Zum einen führt das zu einer Unsicherheit unter den Mitarbeitern und zum anderen hat jeder Geschäftsführer andere Ideen. Das sich Manager profilieren wollen und ihre eigenen Ideen durchsetzen wollen, ist in jeder Branche zu finden. Hat Manager A Veränderungen angefangen, wird jedoch nach einem oder zwei Jahren durch Manager B ersetzt, ist es häufig der Fall, dass die Ideen von A nicht mehr fortgeführt werden. Die Ergebnisverbesserung stagniert somit. Das ist aber genug Stoff für einen einzelnen Blog-Artikel ;-) 

 

Wir freuen uns, dass du dir unseren ersten Artikel durchgelesen hast und hoffen, dass dir die Zusammenfassung der Krankenhausstudie 2017 von Roland Berger gefallen hat. Für Ideen, Anregungen und Kritik in den Kommentaren sind wir dankbar. 

 

Anestis und das Team von PLUSpoint HR

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